Reisen

Rückblick 2018

Dieses Jahr ist wie der Wind an mir vorbeigesaust. Zu unserem ersten Hochzeitstag sind Rolf und ich nach Wien gefahren und haben in der herrschaftlichen Wohnung einer Freundin gastiert. Auf dem Rückweg sind wir über die Schweiz zurückgefahren und haben meine Cousins und Freundinnen aus dem Internat nach Fribourg eingeladen und einen wunderbaren Tag verbracht. Die Sonne verlieh meiner wirklich sehr schönen Geburtsstadt einen besonderen Glanz und auf der Rückfahrt boten die Schnee bedeckten Alpen ein Panorama wie man es von Werbeprospekten kennt.


Sonnenaufgang auf der Faahrt zum Flughafen Frankfu

Ich habe Rolf auf seinen Segelturns begleitet, natürlich nur dort, wo mich die Umgebung besonders gut gefällt wie Riva del Garda oder Travemünde, von wo aus ich nach Potsdam gefahren bin zu unseren Freunden, die direkt am See wohnen, eine Wonne für einen Fisch wie ich. Ich war mindestens fünf Mal in Berlin, um den 52. Kongress des Kunstkritikerverbands AICA vorzubereiten, dessen Präsidentin ich für die deutsche Sektion bin. Ich habe viel Energie daran gesetzt, die Gemeinnützigkeit für unseren Verein zu erreichen und zum Glück ist das gelungen.


Mit großem Interesse habe ich am 51. Internationalen AICA Kongress in Taiwan teilgenommen. Einen inhaltlichen Bericht ist unter http://www.aica.de/kongresse/aica-international/51st-aica-international-congress-in-taiwan.html#864848a9b510bc40c zu lesen. Dort konnte ich erleben wie ein erfolgreicher Kongress organisiert wird und mich mit meinen Kollegen austauschen. Wir wurden wie Könige empfangen. Besonders beindruckt haben mich die Petit Fours beeindruckt, die in der feinsten Konditorei von Paris nicht besser sein könnten. Das werden wir in Deutschland kaum zustande bringen, es sei denn, wir können einen Konditor als Sponsor an Land ziehen.


Audrey Tang, hacker and digital minister of Taiwan

Mathilde Roman, Marjorie Allthorpe-Guyton, Marc Partouche, Liesbeth Rebollo-Gonçalez Jacques Leenhardt, Elisabeth Couturier AICA Post-Congress in Tainan



Ich habe die Gelegenheit der Asienreise genutzt, um zehn Tage Ferien anzuhängen, um die Highlights von Vietnam und Kambodscha zu sehen. Hanoi und die Halong Bucht, Angkor Wat und Phnom Penh und zuletzt Saigon, wo ich mit der Kunstwelt in Berührung gekommen bin, haben mich auf unterschiedliche Arten beeindruckt.

Ich war fasziniert von dieser quirligen Bevölkerung und den für uns unvorstellbaren Verkehr. Die Biker - es gibt Millionen davon - fahren in allen Richtungen, links und rechts an den Autos vorbei und das in Gegenrichtung. Es ist erstaunlich, dass abgesehen von Kleinigkeiten kaum Unfälle passieren. Das liegt daran, dass der Verkehrsfluss extrem langsam ist. In vielen Details spürt man den Einfluss des Kommunismus und natürlich wird in Vietnam Ho Chi Minh verehrt. Nicht nur wurde Saigon in Ho Chi Minh Stadt umgetauft, aber in Hanoi gibt es ein beeindruckendes Mausoleum. Man wird von einem Leitsystem geführt, steht in der Schlange, darf nicht fotografieren und kommt irgendwann im Sakrosankten Inneren, wo in schwarzer Umgebung Ho Chi Minh von Soldatenwachen umgeben, friedlich liegt, wie schlafend. Es wirkt sehr theatralisch. Ganz in der Nähe, in derselben Parkanlage, ist das in den 50er Jahren ihm zu Ehren errichtete Museum. Sein Leben, seine Kämpfe und Errungenschaften werden in spektakulären, aus Holz geschnitzten Installationen dargestellt, die eine intime und zugleich prunkvolle Atmosphäre schaffen. Ich kenne nichts Vergleichbares.

Sehr interessant war der Besuch des Geschichtsmuseums, indem das gespannte Verhältnis zwischen den französischen Kolonialherren und den Mandarinen einerseits und der unterdrückten Bevölkerung andererseits geschildert werden. Auch wenn die Darstellung der Fakten einseitig ist und auf die auf die Verherrlichung von Ho Chi Minh und den Kommunismus abzielt, wird klar, dass es zu jeder Zeit Aufstände seitens der Bevölkerung gegeben hat, die eigentlich nie etwas anderes als Unterdrückung kannte.

In Kambodscha begegnet man einer Bevölkerung, die dankbar ist, endlich in Ruhe leben zu können. Und doch wird klar, wie sehr die Narben der roten Khmer noch präsent sind, denn keine Familie ist ungeschoren davon gekommen, jeder hat Verwandte und Freunde durch Folter und Mord verloren. Es wird immer noch unter vorgehaltener Hand gesagt, denn auch heute haben ehemalige rote Khmers wichtige Positionen inne. Ich hatte nicht den Mut, die Killing Fields zu besuchen, aber was abenteuerlustigere Touristen sagten, war schon in Erzählform kaum auszuhalten. Diese Jahre des Schreckens waren auch Jahre großer Hungersnöte. Davon zeugen noch heute die ambulanten Verkaufsauslagen der Straßenverkäufer. Sie bieten Schlangen, was in Asien relativ verbreitet ist, gegrillte Insekten, vor allem Vogelspinnen und sehr kleine Frösche, wobei nicht nur die Schenkel verzehrt werden, sondern das gesamte Tier. Ich war nicht geneigt, diese „Köstlichkeiten“ zu probieren, zumal die Khmer-Küche ausgezeichnet ist.

Das Erlebnis par Excellence bieten die unfassbar großen Tempelanlagen der Khmer-Zeit (9. bis 11. Jahrhundert). Angkor Wat, Angkor Thom und Bayon sind die wichtigsten und liegen dicht beieinander. Sie sind alle auf ihre Art imposant und doch auch sehr unterschiedlich. Angkor Wat ist die größte Anlage und wirkt im Zusammenspiel von ausgewogenen Tempelkomplexen und der Feinheit der feingliedrigen Reliefs, die von Schlachten zwischen Göttern und Dämonen erzählen. Da ist es sehr vorteilhaft einen Einheimischen als Begleiter zu haben um sich von den Bräuchen imprägnieren zu lassen. Bei Angkor Thom ist es vor allem die Plattform der Elefanten, die fasziniert, nicht nur, weil die selbst darauf dargestellt sind, sondern weil man sich vorstellen muss, wie diese großen Tiere gegeneinander kämpften. Bayon wiederum wird durch vier große Köpfe beherrscht, die in allen Windrichtungen zeigen. Es sind aber an die 200 Köpfe in allen Größen, die einem umgeben. In Kambodscha findet sind Buddhistische und Hinduistische Tradition oft eng verwoben. Bei allen Tempeln findet man ein großartiges Zusammenspiel von Kultur und Natur, denn an vielen Stellen sind Stein und Wurzelwerk eng ineinander verschlungen und zwar so dass kaum auszumachen ist, ob die Bäume die Architektur sprengen oder die Ruinen zusammenschmieden.

Ich bin auch zum Tonle Sap gefahren, ein Fluss, das sich zu einem riesigen See ausbreitet und der auch vom Mekong gespeist wird. Seine Ausdehnung kann nach der Monsunzeit bis zum vierfachen Volumen anwachsen. Er hat die Besonderheit in Zeiten der Überfülle zurückzufließen in die Richtung aus der er gekommen ist. Also wechselt auch der Mekong die Richtung. Da Kambodscha weitgehend flach ist, überschwemmt er große Teile des Landes. Es fiel mir schon bei nächtlicher Ankunft auf, dass so viele Felder unter Wasser liegen, auch ganz nahe am Flughafen. Auf diesem See gibt es schwimmende Dörfer, deren Häuser auf Bambuspontons errichtet sind. Sie schwimmen mit den Fluten des Sees und deren Häuser können bei Bedarf von Kähnen dorthin transportiert werden, wo der Fischfang am besten ist. Dort werden auch Krokodile gezüchtet und rund um einen winzigen Becken gehalten. Sie haben gar keine andere Möglichkeit als auf den Gnadenstoß zu warten. Dort gibt es Krokodiltaschen für wenig Geld. Es fiel mir nicht ganz leicht der Versuchung zu widerstehen.

Um nach Phnom Penh zu gelangen, nahm ich einen einheimischen Bus, eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Für eine Strecke von 350 km haben wir sechseinhalb Stunden gebraucht. Kein Wunder, denn eigentlich fährt man die ganze Zeit durch ein Dorf, das sich wie eine Perlenschnur entlang der Straße zieht. Überall stehen Pfahlbauten aus Holz, Stein oder Beton den Straßenrand, einen Maßnahme gegen das drohende Hochwasser des nahe gelegenen Sees. Manchmal verdichten sich die Häuser zu kleinen Dörfern. Ganz offensichtlich ist die Straße als Kommunikationsweg vital für das Überleben dieser sehr armen Bevölkerung, die bestenfalls ein Fahrrad oder ein Motorrad besitzt. Das Einzige, was es überall gibt, ist Internet. Auch in archäologischen Stätten funktioniert es, manchmal als einziges Zeichen der Modernität.

Es gibt einen großen Kontrast zwischen den Städten im Norden - Hanoi in Vietnam und Siam Reap in Kambodscha - und jenen im Süden - Phnom Penh und Saigon. Obwohl alle sehr dicht bevölkert sind, haben Hanoi und Siam Reap noch etwas von der traditionellen Bauweise und Lebensart beibehalten. Hochhäuser sind dort eher am Stadtrand zu finden. Sowohl Phnom Penh als auch Saigon sind Ballungszentren wie wir sie überall finden könnten. Es gibt zwar auch dort noch Vierteln, die traditionell gebaut sind, aber sie bilden nicht das Zentrum der Stadt und Stadtführer neigen dazu eher die neuesten Baugebiete anzupreisen als der nahe gelegene Tempel. Was für uns die Exotik dieser Städte ausmacht, ist ihre Bevölkerung, die zahlreichen Lokale – überall kann man sehr gut essen, auch am Markt, wo neben Frischware auch Volksküchen angeboten werden – das pulsierende Leben und der Verkehr, der in Phnom Penh noch die Eigenart aufweist, von Motorrädern gezogene Rickshaws als Alternative zum Taxi anzubieten.


Begegmumg mit der Khme-Kultur


Mit meinen allerbesten Wünschen für ein frohes und glückliches Neues Jahr. Wir werden viel zu tun haben, um den Frieden, Kultur und Umwelt zu fördern. Mögen wir die richtigen Einfälle haben und die richtigen Entscheidungen treffen.


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